Finger Fraktur: Operation 2
Fraktur (Bruch) am Handskelett
Operation einer Finger-Fraktur
Ist es vorteilhafter, einen Bruch
am Finger zu operieren oder "nur" im Gips ruhig zustellen?
Dies hängt ganz vom Einzelfall ab.
Generell will die Operation eines Knochenbruches stets gut überlegt
sein. Schließlich kann es im Fall einer Operation am Knochen zu
einem Infekt kommen. Ein Beispiel soll eine solche Abwägung
verdeutlichen.
Ist ein Bruch in Gelenksnähe stark verschoben, so wird nach
Heilung des Bruches das Gelenk „verschleißen“ und mehr und mehr
schmerzen. In einem solchen Fall müsste dann das Gelenk versteift
oder durch ein künstliches Gelenk ersetzt werden.
Hier ist das Risiko einer unverzüglichen Operation sicherlich das
kleinere Übel. Ich rate Ihnen nur dann zur Operation, wenn ohne
Operation eine schwerwiegende Funktionsstörung für die Hand zu
erwarten ist.

Ich möchte diese Überlegung noch einmal deutlich machen:
Die Abb. zeigt den Aufbau eines
Finger-Gelenkes. Die blauen Bereiche entsprechen dem Gelenk-Knorpel.
Bitte beachten Sie in der Grafik wie
exakt die Knorpelflächen aufeinander stehen. Dies ist Voraussetzung
für eine natürliche Gelenk-Funktion!
Ein Bruch in der Nähe eines
Finger-Gelenkes kann also die Gelenkflächen verschieben?

Ja! Zumindest ist dies möglich. Die im Röntgenbild links gezeigte Fraktur im
Bereich des Grundgelenkes ist für einen ungeübten kaum zu erkennen. Dennoch ist
bei dieser Fraktur, der vom Grundglied gebildete Teil der Gelenkfläche
eingedrückt und nur durch operative Freilegung exakt korrigierbar.
Müssen solche am Finger-Gelenk gelegenen
Frakturen also operativ behandelt werden?

Es
gilt in der Unfall-Medizin generell: Ist eine Verwerfung
(Stufenbildung) in einer Gelenkfläche vorhanden, so muss diese
unbedingt ausgeglichen werden, da sonst langfristig ein
Gelenkverschleiß (Arthrose) droht.
Die Abb. links zeigt die operative Versorgung einer in der Nähe
des Mittelgelenks gelegenen Finger-Fraktur mittels zweier Schrauben.
Hier ist die Verwerfung (Stufenbildung) in der Gelenkfläche exakt
ausgeglichen worden.
Wie müssen offene Frakturen behandelt
werden?

Offene
Frakturen sind besonders problematische Frakturen, da eine
Verbindung über die verletzte Haut und den verletzten
Weichteilmantel bis in den Bruchspalt hinein besteht. Über diese
offene Verbindung können Bakterien in die Fraktur gelangen und zu
schweren Infektion am Knochen (Osteomyelitis) führen.
Offene Frakturen an den Finger werden
in aller Regel unverzüglich operativ behandelt. Dabei wird meist
schwer geschädigtes Gewebe ausgeschnitten und die Fraktur offen
eingerichtet.

Die
Stabilisierung der Fraktur kann - je nach Schwere der
Begleit-Verletzungen - und nach Zeitpunkt der Operation mittels
eines äußeren Spanners oder in sehr günstigen Fällen auch mit einer
Platte erfolgen.
Die Abb. links zeigt die operative Behandlung einer offenen
Trümmerfraktur am Zeigefinger-Grundglied durch einen äußeren Spanner
(Fixateur externe)
Bedürfen alle verschobenen Frakturen der
Operation?
Nein! Wenn verschobene Frakturen nach der
Reposition korrekt stehen und stabil sind ist eine frühfunktionelle
Behandlung möglich.
Besonders aber
Frakturen an der Hand mit Drehfehler, der nicht weitestgehend
ausgleichbar ist, bedürfen der Operation (siehe
Folgeseite)
Ist die Operation einer Finger-
Fraktur dringlich?
Außer bei offenen Brüchen nicht im Sinne von Minuten oder
Stunden. Wohl aber im Sinne von Tagen, denn je länger ein Bruch in
einer Fehlstellung liegt, desto schwieriger ist seine Reposition
(Einrichtung in korrekter Position).