KTS und Schwangerschaft
Karpaltunnelsyndrom
Karpaltunnel-Syndrom (KTS,CTS) und Schwangerschaft
Wie entsteht das
Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft ?
Infolge der hormonellen Veränderungen lagert der Körper der Frau
besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft vermehrt
Flüssigkeit ein.

Dies
führt auch zu einem vermehrten Flüssigkeitsgehalt im
Karpalkanal. Ist dieser aufgrund der individuellen Form relativ eng,
so entsteht auf den im Kanal verlaufenden Nervus medianus ein
vermehrter Druck.
Die Abb. zeigt den Karpalkanal. Der Pfeil bezeichnet das Dach des
Karpaltunnels. Im Falle von vermehrter Flüssigkeit im Kanal können
die Knochen und das Dach des Karpaltunnels nicht nachgeben und ein
Druck auf den Nervus medianus entsteht.
Welche Symptome verursacht das
Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft ?
In der Regel dominieren Missempfindungen und Schmerzen in einer
oder auch beiden Händen. Hierbei können die Schmerzen auch in den
ganzen Arm ausstrahlen.
Besonders quälend können die nächtlichen Beschwerden sein, wenn
sie in einer Nacht wiederholt auftreten und den Nachtschlaf rauben.
Kann ein Karpaltunnelsyndrom auch
in der Schwangerschaft operiert werden?
Prinzipiell ist dies heute unter anderem dank moderner
Narkoseverfahren (z.B. Plexusanästhesie) zu einem
vertretbaren Risiko für Mutter und Kind möglich.
Dies gilt insbesondere dann, wenn der Eingriff im letzten Drittel
der Schwangerschaft vorgenommen wird und Handchirurg und Frauenarzt
eng kooperieren.
Sollte der Eingriff denn überhaupt
in der Schwangerschaft vorgenommen werden?
Dies ist die entscheidende Frage:
Jede betroffene Frau sollte
grundsätzlich wissen, dass bei sehr quälenden Beschwerden eine
solche Operation notwendig und sinnvoll sein kann.
Anderseits sollte jedoch auch jede betroffene Frau wissen, das
nach der Entbindung (und eventuell der Stillzeit) viele
Karpaltunnel-Syndrome ganz ohne Therapie abklingen! Dies haben
mehrere Untersuchungen in den letzten Jahren eindeutig belegt. Bei
etwa 50% der Frauen mit Karpaltunnel-Syndrom in der Schwangerschaft
verlieren sich die Symptome nach Schwangerschaft und Stillzeit!

Ich empfehle vor jeder konkreten Operationsentscheidung in der
Schwangerschaft – bei vorwiegend in der Nacht auftretenden Schmerzen
- stets einen Behandlungsversuch mit einer Nachtlagerungsschiene zu
machen.
Auch wenn beispielsweise das Infektions-Risiko einer 30 jährigen
schwangeren Frau kleiner ist, als bei einer 80 jährigen
Diabetikerin, so sollte stets bedacht werden, dass bestimmte Risiken
einer Operation zwei Personen betreffen können und etliche
Medikamente in der Schwangerschaft nicht einsetzbar sind.
Kann nach dem Abstillen eine eventuell
notwendige Operation jederzeit vorgenommen werden?
Ja. Die Mutter sollte jedoch bei der Terminplanung einer
Operation sicherstellen, dass in den ersten 2-3 Wochen Teile der
Säuglingspflege (Wechseln der Windeln , Baden des Kindes...) von
jemand anders vorgenommen werden kann.
Die verschmutzte Windel eines Säuglings ist voller Bakterien!
Auch wenn die Wunde an der Hand vernäht ist und zusätzlich durch
einen Verband geschützt wird, ist es in z.B. beim Wechseln der
Windeln oder beim Baden des Kindes nicht auszuschließen, dass
Bakterien in die Wunde gelangen und hier einen Infekt verursachen.