Verletzung Nerv: Diagnose
Verletzungen der Nerven an der Hand und Arm
Diagnose einer Nerven-Verletzung an Hand und Arm
Wie stellt der Arzt eine
Nerven-Verletzung fest?
Die beiden Abb. zeigen den gleichen
Nerv: (Nervus ulnaris) Die Abb. links zeigt den (gezügelten) Nerv,
dessen Kontinuität nirgends unterbrochen ist.


Die Abb. rechts zeigt den gleichen Nerven bei einem anderen Patienten: Hier ist der Nerv durchtrennt. (ältere Verletzung)
Nun ist das Erkennen der Nervenverletzung bei direkter Sicht des Nerven einfach. Schwieriger ist das Erkennen einer Nervenverletzung, wenn der verletzte Nerv unter einer blutenden Wunde oder einer alten Narbe verborgen liegt.
Wie ist das Erkennen der Nerven-Verletzung ohne direkte Sicht auf den Nervenschaden möglich?
Jeder Nerv in unserem Organismus hat eine spezifische Funktion, die der Medizinstudent bereits genau zu lernen hat. Viele Nerven haben motorische und sensible Funktionen. D.h. sie vermitteln:
- Hautgefühl
- steuern Muskeln
Die Kenntnis, welches Hautareal und welche Muskeln von einem Nerv gesteuert werden ist für die Diagnose einer Nervenverletzung fundamental wichtig: In dieser Patienten-Info sei dies am Beispiel des oben gezeigten durchtrennten Nerven deutlich gemacht:

Die
Abb. links zeigt den Ellennerven in einer Grafik. Beachten Sie die
blau hervorgehobenen Stellen an der Ellenseite der Hand.
In diesem Bereich wird das Hautgefühl
- die Sensibilität - vom Nerven aufgenommen und in Richtung Gehirn
weitergeleitet.
Ist der Nerv - wie in obigem Beispiel
gezeigt - am Ellenbogen durchtrennt, kann die Sensibilität nicht zum
Gehirn gelangen. Der Verletzte hat an der ellenseitigen Hand kein
Gefühl.
Der gesamte hier blau gezeichnete
Hautbereich ist taub. Es werden dort weder Berührungen noch
Schmerzen, noch Hitze oder Kälte empfunden.
Wie erkennt man die motorische Störung?
Bei großen Nerven im Arm ist die Lähmung
(motorische Störung) meist offenkundig, wenn z. B. eine Hand oder
Finger nicht mehr gestreckt oder gebeugt werden können.

Wieder
im Beispiel der obigen Nerven-Verletzung - einer Durchtrennung des
Ellennerven am Ellenbogen - sei die motorische Seite des
Nervenschadens dargestellt:
man erkennt in der Abb. die Verschmächtigung
eines Muskels zwischen Daumen und Zeigefinger in der Hand. (zur
Erläuterung: der hier eingefallene - atrophierte - Muskel wird vom
(verletzten) Ellennerven gesteuert.
Dabei kann der Daumen nicht mehr richtig an
die Hand herangeführt werden.
Es ist nun Aufgabe des Arztes
dieses - sensiblen und motorischen - Ausfälle für jeden Nerv zu
kennen und bei ihrem Vorhandensein auf den Nervenschaden
zurückzuschließen.
Gibt es noch weitere
Erkennungsmerkmale für eine Nerven-Verletzung?
Ja! Es ist das Tinel-Zeichen oder auch genannt
das Hoffman-Tinel-Zeichen:

Man
versteht darunter einen elektrisierenden Schmerz bei Berührung oder
leichtem Beklopfen der Nerven-Verletzungsstelle. Die Abb. zeigt eine
blasse Narbe unmittelbar vor der Hand. Unter der Narbe verläuft der
Mittelhandnerv (Nervus medianus)
Dieser wurde bei einer Verletzung teilweise
durchtrennt. Als Folges dieser Nervenschädigung bildet sich in der
Tiefe am Nerv ein kleiner
Nervenknoten - das
Neurom.
Dieses Neurom führt auch bei leicht Berührung
zu einem recht unangenehmen elektrisierenden Schmerz, der entlang
der Nervenbahn in die Hand ausstrahlt. (positives Tinel-Zeichen)
Das Hoffman-Tinel Zeichen kann man nach
einer Nervenverletzung oft schon nach 14 Tagen gut nachweisen.
Welche Rolle spielen Untersuchung
wie ENG und EMG in der Diagnose einer Nervenverletzung?
Zunächst muss der untersuchende Arzt
den Verdacht auf eine Nervendurchtrennung mittels der oben
beschrieben Kriterien erarbeiten.
Dann können apparative Untersuchungen
wie ENG und EMG das Bild abrunden und ergänzen. Diese
Untersuchungsmethoden sind auch hervorragend für die
Verlaufskontrolle nach einer Nervenverletzung geeignet.